Reich wird man nicht durch das, was man
verdient, sondern durch das, was man nicht
ausgibt!
28. Februar 2010
Ein weiteres Nebenprodukt der kulturellen Homogenität in den großen Finanzmetropolen – dort also, wo die Institutionellen sitzen – sind die Meinungstendenzen über Märkte, Branchen und Firmen, die von der Mehrzahl der „Herdenmitglieder“ geteilt werden. Viele dieser Meinungstrends spiegeln zwar oft richtige Einschätzung wieder, liegen aber auch nicht selten komplett daneben.
Ist dann die „Herdenmeinung“ in der Einschätzung eines bestimmten Unternehmens falsch, Zeigen sich die Manager der Institutionellen, aber noch mehr die Analysten demonstrativ im Stich gelassen. Aktien werden dann schlechter bewertet und somit der Kurs des Unternehmens nach unten gedrückt. Eine solche „Bestrafung“ fällt besonders hart aus, wenn das Management eines Unternehmens über eine Bezugsrechtsemission neues Eigenkapital aufgenommen hat und anschließend dann in einem bestimmten Zeitraum nicht in der Lage ist, die erwarteten Gewinne vorzuweisen.
Sicher, die „Herde“ liegt mit ihrer konventionellen Weisheit nicht immer falsch und selbst wenn sie falsch liegt, sollte man ihr nicht allzu früh widersprechen. Wenn eine Aktie einmal auf Talfahrt geht, dann beobachten Sie erst einmal. Die Herde wird sofort ihrem Trieb folgen und verkaufen. Die Folge: Die Aktie fällt weiter. Kümmern Sie sich erst dann um das Papier, wenn der Rückgang langsam zum Stillstand kommt. Es gilt immer herauszufinden, ob der Rückgang übertrieben war oder ob es dafür einen wichtigen Grund gibt, den die Öffentlichkeit vielleicht noch nicht kannte. Als Privatanleger haben Sie den Vorteil, dass Sie dann kaufen können, wenn sich der Kurs stabilisiert hat. Geben Sie nichts auf konventionelle „Expertenansichten“, laut deren Urteil eine bestimmte Aktie zu meiden ist. Die meisten Experten laufen ihrem Herdentrieb folgend nämlich erst dann, wenn andere Experten das auch tun. Die Herdenmitglieder springen dann alle auf einen Zug auf, auf dem Sie vielleicht schon lange sitzen und bringen ihn so richtig in Fahrt, soll heißen, sie treiben den Kurs wieder in die Höhe. Dann können Sie beruhigt und mit einem saftigen Profit wieder aussteigen.
Was für einzelne Unternehmen gilt, das gilt auch für den gesamten Markt. Die über Jahrzehnte anhaltende Erscheinung, dass Hausse-Märkte immer noch weiter bestehen, selbst wenn die Fundamentaldaten diese schon lange nicht mehr stützen und dass plötzliche, extreme Kurskorrekturen erfolgen, lässt sich nicht durch fehlerhafte Richtlinien bei einem Kursrutsch oder durch Computerfehler erklären. Nein, dieses Phänomen ist vielmehr auf die kollektive Psychologie der Finanzmärkte und deren Teilnehmer zurückzuführen. Das ist der Herdentrieb! Werden Sie also nicht zum kollektiven Opfer der Herde. Je weiter Sie von dieser weg sind, desto besser. Wenn Sie einmal merken, dass die Herde in Bewegung gerät und sie keiner aufhalten kann, gleichzeitig aber sehr gut über das ein oder andere Unternehmen informiert sind, dessen Aktien Sie handeln wollen, dann verhalten Sie sich der Herde gegenüber wie Jesus: Geben (Verkaufen) Sie, wenn alle anderen nehmen (kaufen) wollen und nehmen (kaufen) Sie, wenn alle anderen Herdenmitglieder geben (verkaufen) wollen. Manch einer der berühmten Börsenspekulanten hat es zu märchenhaften Reichtum gebracht, in dem er nur dieser banalen Weisheit gefolgt ist.
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