Reich wird man nicht durch das, was man
verdient, sondern durch das, was man nicht
ausgibt!
28. Februar 2010
„Fundamentalisten“ vertrauen bei der Geldanlage darauf, dass ein von ihnen ermittelter Wert eines Titels sich auch als Börsenkurs festigen wird. Das kann erhebliche Risiken in sich bergen, wenn der Markt auch nur für eine kurze Zeit gegen die Kursprognose läuft. Vor allem bei Termingeschäften kann genau das ein finanzielles Desaster bedeuten. Bei spekulativen Produkten in der Geldanlage kommt es stets darauf an, sofort richtig zu liegen.
Genau dies ist das Ziel, das die technische Analyse verfolgt. Sie umgeht die Problematik der Fundamentalanalyse und orientiert sich anstatt an vagen fundamentalen Daten allein an unbezweifelten Tatsachen, nämlich dem effektiven Börsenkurs. Sie geht davon aus, dass allein in dem Kurs bereits alle relevanten Faktoren schon berücksichtigt sind. Die Bewertung von Ereignissen, Nachrichten und Kommentaren interessiert niemanden, der technische Analyse für seine Geldanlage betreibt. Die Skala der veröffentlichten, fundamental-analytisch begründeten Meinungen umfasst gerade in kritischen Phasen meist alle denkbaren Varianten. Die technische Analyse akzeptiert hingegen nur eine einzige Bewertung der Geldanlage, nämlich diejenige, die sich jeden Börsentag aus demokratischer Abstimmung über den Wert eines Titels als Börsenkurs ergibt. Der „Techniker“ kauft einen Titel nicht etwa deshalb, weil er diesem positiv gegenüber gestimmt ist, sondern weil seine sorgfältige und kritische technische Analyse ihm dies nahe legt. Die Börse „heiß und innig lieben, sie aber eiskalt und nüchtern behandeln“ – diesem Grundsatz wird die technische Analyse mehr als gerecht. Der Grundgedanke, dass bei der Geldanlage der Markt immer recht hat, stellt einen der Eckpfeiler für die technische Analyse dar.
Das Konzept des Trends der Geldanlage ist für die technische Analyse von grundlegender Bedeutung. Der ganze Sinn der Prognose der Kursbewegungen in Sachen Geldanlage besteht darin, Trends frühzeitig zu erkennen und ihrer Entwicklung durch die Eröffnung einer Position in entsprechender Richtung zu folgen. Die meisten Techniken, die die technische Analyse benutzt, sind ihrer Natur nach Trend folgend. Das bedeutet, ihr Sinn besteht darin, einen Trend bei der Geldanlage zu erkennen und mit ihm zu gehen. Egal, wohin er sich auch bewegt. Die grundlegende These, dass sich Kurse in Trends bewegen, hat sich in der Praxis schon oft bewahrheitet. Ein Trend hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, weiterzulaufen, als sich umzukehren. Mit anderen Worten: Ein Trend in Bewegung dauert so lange an, bis er seine Richtung ändert! Der gesamte Trendfolgeansatz besteht darin, einen bestehenden Trend so lange auszunutzen, bis er Zeichen für eine Umkehr zeigt.
Der Grundgedanke der Geldanlage, den die technische Analyse pflegt und damit das Studium der Marktbewegungen hat mit der menschlichen Psychologie zu tun. Charts, die zum Beispiel die Kursentwicklung der letzten 50 Jahre katalogisieren, zeigen, dass in den Kursgrafiken immer wieder ähnliche Veränderungen auftreten. Diese Veränderungen kennzeichnen die positive oder negative Psychologie im Markt. Da derartige Kursmuster in der Vergangenheit recht zuverlässig funktioniert haben, nimmt man an, dass sie auch in der Zukunft wieder auftreten, denn ihre Grundlage ist ja die menschliche Psychologie, die sich bekanntlich kaum ändert. Eine andere Möglichkeit zur Umschreibung dieser These ist, dass man davon ausgeht, dass der Schlüssel für das Verständnis der Zukunft in der Kenntnis der Vergangenheit liegt. Denken Sie an den Satz von Jesse Livermore: „Das, was an der Börse heute passiert, passierte schon x-mal davor und wird sich auch noch x-mal wiederholen!
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